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Marketenderinnen Ein Politischer Marktstand mit Showeffekt, Auf dem Brunnenmarkt, Freitag den 23. Mai 2008, 14-18h und Samstag den 24.Mai 2008 von 11-15h Lena Braun, die Kunst-Queen aus Kreuzberg, nimmt gemeinsam mit den Wiener Schauspielerinnen Susanna Marchand und Sandra Högl performativ Stellung zum Thema Gentrifizierung. Selbstironisch und provokant verkaufen die Marketenderinnen Meinung, Daten, Fakten, Tand zum Thema auf dem Brunnenmarkt. Politisch korrekte Selbstäußerung trifft auf den Ausverkauf der Werte. Diese Gradwanderung steuert das Publikum selbst. Es wirft mit jedem Kauf den ersten Stein und/oder wächst über sich selbst hinaus. |
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LENA BRAUN aka QUEEN BARBIE
Näheres zum Projekt:
MARKETENDERINNEN Von Lena Braun (Berlin)
und Susanna Marchand (Wien) unter Mitwirkung von Sandra Högl (Wien) Das Ende der Milchmädchenrechnung Frauen stehen ihren Mann Ein feministische Beitrag zur politischen und städtebaulichen Perspektive des Standorts Brunnenmarkts in Wien Ein bewusstseinsbildendes und praxisbezogenes Projekt zur Gleichstellung der Frau als Vermittlerin von Informationen
Ich habe in Berlin als Vorreiterin mit meinen Kunstprojekten in mehreren Bezirken für eine „sanfte Stadtentwicklung“ gesorgt, dieselbe eingeleitet. Ich kenne die Nuancen des Themas und die unterschiedlichen Standpunkte zu diesem, aus wissenschaftlichen und politischen Kontexten und genauso gut aus den täglichen Gesprächen mit „Gott und der Welt“ in der Nachbarschaft im Arbeiterbezirk Berlin Kreuzberg. Was mich am SOHO-Festival interessiert, ist die Frage, wie kann man zu der „Stadtteilentwicklung“ künstlerisch Stellung nehmen? Denn die eigene Position und die Ausdrucksform derselben, ist, was Politik macht und ausmacht. Als Künstlerin beschäftige ich mich hauptsächlich mit weiblicher Biographie, Frauenleben, die bahnbrechend, ungewöhnlich, hinreißend, provokant oder vorbildhaft waren und sind. Für das diesjährige Festivalthema „WHAT’S UP“ habe ich mich nach langer und eingehender Recherche gemeinsam mit Susanna Marchand für das Leben und Werk von drei Wienerinnen entschieden, die in aller Öffentlichkeit den Mund aufgemacht haben, um ihre Meinung zu sagen und zwar auf völlig verschiedene Weise. Die Intellektuelle: Margarete Schütte-Lihotzky, die erste Frau Wiens, die Architektin wurde, schafft im Bezirk Wohn- und Gemeinschaftsräume für Arbeiter. Ihr Lebenswerk galt in Theorie und Praxis den Lebensbedingungen der vom Wohlstand Ausgegrenzten. Whats up? Teilen wir ihre Ansichten? Werden sie auch heute noch in die Tat umgesetzt? Die Volksseele: Emilie Turecek, die legendäre "Fiakermilli", trat im enganliegenden Jockeykostüm im Bezirk als Volkssängerin in den hiesigen Gasthäusern auf. Ihr Wienerlied war provokant, sie sprach über Dinge, die viele nicht auszusprechen wagten. Whats up? Eine frivole Dame, redet Tacheles, hören wir zu? Die Migrantin: Alja Rachmanova. Sie kommt aus ganz anderen Kreisen in Wiens Arbeiterbezirk. Sie lebt im Ghetto, arm wie eine Kirchenmaus, packt an, um zu überleben. Sie hat es schwer, sie ist Russin, das sieht man nicht gern: Sie nimmt anderen die Arbeit weg. Sie sieht die Mißstände, beschreibt sie, redet nichts schön, wird Teil des Bezirks. Whats up? Lassen wir MigrantInnen zu Wort kommen, wenn es um die Zukunft des Bezirks geht? Diese drei Frauen berührten mit ihren Aussagen Kernfragen, die auch heute noch im Wiener Bezirk Ottakring Thema sind. Aber was soll der Titel? MarketenderInnen, was sind das? Hier die offizielle Definition: Ein Marketender (lat. mercatante - Händler, Kaufmann) ist jemand, der Truppen begleitet, verpflegt und medizinisch versorgt. Der Begriff kommt aus dem mittelalterlichen Militärwesen. Die historischen Marketender gehörten zum Tross der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Heere. Fast jedes Fähnlein der Landsknechte hatte in dieser Zeit einen eigenen Marketender, der die Soldaten als Händler mit Lebensmitteln versorgte. In der Literatur gibt es die Figur der „Mutter Courage“. In dem Stück „Mutter Courage und ihre Kinder“ von Bertolt Brecht begleitet die Titelfigur im Dreißigjährigen Krieg Truppen als Marketenderin. Unsere MarketenderInnen stehen auf Eurem Brunnenmarkt, couragiert. Sie bieten Waren feil. Ihr eigenes Leben. BIOwaren. Kauft Mann/Frau die günstigen BIOwaren, so erzählt die MarketenderIn performativ aus ihrem Leben, ihrem Erfahrungsschatz. Gleichzeitig fragen die MarketenderInnen in ihrem Auftritt aber auch nach der Befindlichkeit ihrer Gäste, es entsteht ein Ausstausch von Informationen, manchmal wird geschickt, fast heimlich und symbolhaft nachgefragt, manchmal ein wenig provokant. Das Leben der MarketenderInnen vermischt sich mit dem Leben und Sein der Marktstandgäste. An einem Markttag, da kommt so einiges zur Sprache. Da wird geklatscht, getratscht. Da spricht man aus dem Nähkästchen, da redet man sich Sorgen von der Brust. Unsere MarketenderInnen plaudern und hören zu. Da stehen Fragen im Raum: Für WEN ist die Neukonstruktion des Markts? Für die Gilde der Händler oder für die Invasion der kaufkräftigen Neureichen? Für wen werden im Viertel jetzt Häuser abgerissen und Neue gebaut? Für welche Truppe? Für das Heer der Arbeiter, Künstler und Migranten? Oder für ihre Gegenspieler? Kommt zu unserem Markstand. Kauft. Ein bißchen Wahrheit, ein bißchen Provokation aus Frauenhand, Frauenmund. Garantiert BIOgraphisch, authentisch. Vielleicht wissen die Gäste des Markts nach Genuß, unserer BIOwaren, ein wenig mehr, wo sie stehen und was zu tun ist. Susanna Marchand ist die Migrantin Alja Rachmanova, Lena Braun die Stadtplanerin Margarete Schütte-Lihotzky und Sandra Högl Emilie Turecek, die legendäre Fiakermilli Wenn der Groschen fällt, beginnen wir zu erzählen, zu performen, zu singen, zu verkaufen: unser Bild von der Welt in der ihr lebt an unserem BIOgraphInnenstand. ![]() ![]() |



